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WB-TN-001 Rev. B 12. Februar 2026 Werkbogen, Prüflabor und Fertigungsplanung

Warum sich Toleranzen addieren und wie oft es auffällt

Kurzfassung

Vier Einzeltoleranzen ergeben nie die Summe, die man erwartet, weil zwei verschiedene Rechenwege zwei verschiedene Antworten geben. Diese Notiz zeigt beide Wege am Beispiel einer Küchenfront und sagt, welcher wann gilt.

1.Begriff und Geltungsbereich

Eine Toleranzkette ist die Folge aller Maße, die zwischen zwei Bezugsflächen liegen und deren Abweichungen sich am Ende an einer Stelle zeigen. Bei einer Küchenfront sind das vier Glieder: das Korpusmaß, der Sitz des Beschlags im Korpus, die Frontbohrung und die Montageplatte.

Diese Notiz gilt für Frontbreiten bis 600 mm und für unsere Baureihe WB-T94. Für Auszüge gilt sie nicht: dort verläuft die Kette über die Schiene und hat eine andere Reihenfolge.

2.Worst Case: die arithmetische Summe

Der Worst Case ist die arithmetische Summe aller Einzeltoleranzen, also der Fall, in dem alle vier Glieder gleichzeitig an derselben Grenze liegen. Er ist die Zahl, die eine Zeichnung freigibt oder verwirft, denn eine Zeichnung darf keinen Fall zulassen, der nicht funktioniert.

Rechnen Sie ihn immer zuerst. Er ist einfach, er lässt sich im Kopf nachvollziehen, und er ist die einzige Zahl, die Sie einem Kunden mit ruhigem Gewissen zusagen können.

Der Worst Case hat einen Nachteil: er tritt praktisch nie ein. Vier unabhängige Fertigungsprozesse stehen nicht gleichzeitig alle am selben Rand ihrer Streuung, und deshalb wirkt eine Kette, die im Worst Case durchfällt, in der Werkstatt jahrelang unauffällig.

2.1Statistische Summe: die Wurzel aus den Quadraten

Die statistische Summe ist die Quadratwurzel aus der Summe der quadrierten Einzeltoleranzen. Sie beschreibt, was bei unabhängigen Prozessen tatsächlich herauskommt, und liegt immer unter dem Worst Case, bei vier ähnlichen Gliedern etwa bei der Hälfte.

Sie darf aber nur benutzt werden, wenn die Prozesse wirklich unabhängig sind. Kommen zwei Glieder aus derselben Maschine mit derselben Werkzeugabnutzung, wandern sie gemeinsam, und die Wurzelrechnung rechnet sich eine Sicherheit vor, die es nicht gibt.

2.2Der Streit zwischen beiden Zahlen ist die eigentliche Auskunft

Die Differenz zwischen Worst Case und statistischer Summe ist keine Rechenungenauigkeit, sondern die Aussage selbst: sie sagt, wie viel Risiko in einer Freigabe steckt. Liegt der Worst Case außerhalb und die statistische Summe innerhalb, dann funktioniert die Serie im Mittel und fällt in einzelnen Losen auf.

Genau dieser Fall bringt Reklamationen, die niemand nachstellen kann. Der Monteur sieht einen zu breiten Spalt, die Fertigung misst nach und findet alles in Ordnung, und beide haben recht.

Unsere Grenze für die Abweichung des Sichtspalts liegt bei 0,40 mm. Sie kommt aus einer eigenen Messreihe an 40 Fronten und nicht aus einer Norm; wir nennen sie deshalb als eigenen Wert.

3.Was das für die Bestellung heißt

Wenn Sie uns ein Bohrbild und ein Korpusmaß nennen, rechnen wir beide Summen und schreiben beide in die Erstmusterfreigabe. Steht der Worst Case außerhalb, schlagen wir vor, welches Glied enger gefasst werden soll, und in der Regel ist das nicht das teuerste.

Das Werkzeug in unserer Presse hält den Topfsitz auf 0,05 mm Wiederholgenauigkeit. Es ist damit fast nie das Glied, an dem sich eine Kette entscheidet, und deshalb lohnt es sich, zuerst über die Frontbohrung zu sprechen.

Geltung dieser Notiz

Alle Zahlen in diesem Blatt sind eigene Messwerte der Werkbogen GmbH und gelten für unsere Bauteile in der beschriebenen Einbausituation. Sie sind keine Wiedergabe normativer Grenzwerte. Wenn Sie das Blatt in Ihrer Dokumentation zitieren, nennen Sie bitte WB-TN-001, Rev. B mit.